Über die Flexibilität (d-)(ein)er Frau ab 40

Für die Irritierten: Der bzw. einer. Nicht: deiner. Ich kenn deine Frau ja gar nicht. Also, was soll ich denn da übe sie schreiben? 😉  Nein, ganz unbescheiden gehts mal wieder um mich. Und nur um mich, denn ich bin ja bekennende Egozentrikerin. Und die Sonne dreht sich sowieso ganz klar nur  um mich (Anm.d.Red: kann Spuren von Zynismus enthalten).

 

Mit zunehmendem Alter bemerke ich eine dazu direkt proportionale Abnahme meiner Flexibilität. Ich weiß nicht, ob mir das gefällt. Ich werde es wohl davon abhängig machen, wie sich diese Entwicklung weiterentwickelt 😉 Ob sie sich überhaupt dauerhaft weiterentwickelt oder ob sie irgendwann mal sagt: „Ok, jetzt hab ich mich genug entwickelt. Bleibt jetzt erstmal alles so. Sonst wirst du, liebe Spatzenretterin, noch eine von diesen alten Hippen, die den ganzen Tag nur aus dem Fenster glotzen und das Leben anderer Leute kritisieren“. Also sowas wie Else Kling aus dem ARD-Dauerschocker „Lindenstraße“. Und ja, indeed: ich zerreiß mir heute schon gern das Maul über andere. Lästere und kommentiere ebenso gern das für Dritte häufig unsinnig und unlogisch/ineffizient erscheinde Tun und Treiben (in) der Nachbarschaft. Genauso, wie sich die Nachbarschaft vermutlich umgekehr das Maul über mich zerreißen wird. Das passiert, da bin ich mir ganz sicher. Also ist dahingehend definitiv für den universellen Ausgleich gesorgt und ich kann herrlich hemmungslos vom Leder ziehen  😉

Das ist also alles ok. Solange es mich nicht wirklich tangiert. Sprich: wenn das Agieren  der anderen mich nicht in meiner persönlichen Freiheit einschränkt. Und leider passiert es selbst für mein Empfinden mittlerweile ziemlich schnell, dass mir unwillkürlich so etwas wie: “ Gemäß §3, Absatz 2 der StVo ist es Kraftfahrzeugen verboten, ohne triftigen Grund nicht so langsam zu fahren, dass sie den Verkehrsfluss behindern

…….ALSO FAHR ENDLICH SCHNELLER, DU ARSCHLOCH!“

durch den Kopf schießt und zur Freude meiner Mitinsassen (Szenenbild: Frau Spatzenretterin und Kohorte sitzen in einem fahrbaren Untersatz und bewegen sich in dieser leider mal wieder in alles andere als affenartiger Geschwindigkeit fort) auch ohne Umschweife im besten N*z* äh Dozent-Ton verbalisiert wird. Zumindest der erste Teil der Ansage. Also im Dozenten Ton. Der zweite Teil ist definitiv eher der durchgestrichenen Variante zuzuordnen 😉

In anderen Lebensbereichen zeigt sich diese schwindende Flexibilität durch weniger Experimentierfreude und Interesse an Neuem. Mit neuen Autos kann ich mich beispielsweise schlecht bis gar nicht anfreunden. Der ganze Assistenz-Schnickschnack und die Bevormundung durch die (bisweilen ironischerweise ja auch sehr anfällige) Technik geht mir auf den Sack. Ich will das alles nicht, und vor allem verlernt man durch diese Super-Redundanz auch irgendwie das Autofahren, bzw. lernen es Fahranfänger, die von Anbeginn mit sowas allein gelassen werden, erst gar nicht. Gas geben, bremsen. Lenken. Das ist alles, was du noch zu tun hast. Nebenbei Emails, Whatsapp oder was auch immer checken? Kein Problem! Wenn man mal so in andere Autos schaut, gehört das schon zum guten Ton, egal, wie assistenzbeladen das Fahrzeug letztlich auch sein mag (no risk, no fun. Oder so. Ähm. Ja.  Womit wir wieder beim Thema wären).

Auch automatisches Einparken ist heutzutage nichts wirklich Exotisches mehr. Für mich ist das nichts. Ich habe ein Kontrollthema und muß das selbst tun. Überhaupt: Mein Auto hat nur die wichtigsten Features inform einer Klimaanlage, ABS, diverse Airbags, einen spärlichen Bordcomputer (müßte so der ATARI unter den BC sein, da er nur vier Anzeigefeatures hat) und Servolenkung. Und elektrische Fensterheber. Aber selbst auf die könnte ich zur Not auch verzichten. Der Parkassistent beispielsweise hat mir dank konstantem Massefehler noch nie zuverlässige Dienste geleistet, deshalb weiß ich zufällig, wie groß mein Auto ist und in welche Parklücke ich hineinkomme und in welche besser nicht. Klappt seit vielen Jahren. Ohne Rempler. Ich habe keine Sitzheizung. Kein Navi. Noch nichtmal ein bluetoothfähiges Radio und kein Multifunktionslenkrad (vade retro, satana!). Da macht das Fahren noch richtig Spaß. Und ich will das so lange so haben wie nur möglich. Bis dass der TÜV uns scheidet oder so.

Mein Significant Other hingegen schleppt alle naslang irgend einen neuen Scheiß an. Fasziniert von fantasievollen Farben, verspielten Verpackungen, bunten Boxen und flimmernden Folien, verleitet ihn das immer wieder nur allzu bereitwillig zu irgendwelchen Käufen irgendwelcher furchtbar neuer und furchtbar innovativer Produkte. Egal ob Nahrung oder TechNik: in 99,9% aller Fälle ist es der pure Schrott und sein Geld nicht wert.

Tendenziell war ich schon immer der Meinung, dass neue Besen häufig nur auf den ersten Blick besser fegen. Man könnte mich also eher als traditionellen Menschen (Euphemismus für Spießerin) bezeichnen. Und die Erfahrung gibt mir recht. Naja. Meistens zumindest. Sagen wir mal, so in ähm, ach keine Ahnung wie viel Prozent das sind. Mit Mathe hab ich es traditionell auch nicht so.

Klar. Wie mit allem im Leben verhält es sich auch hier so, dass man einen gesunden Mittelweg finden sollte. Einen zwischen neugierig bleiben und sich andererseits aber auch auf Erfahrungen berufen können. Erfahrungen, die man – in diesem konkreten Fall ich – in seinem bisherigen Leben sammeln konnte. Und das man ja nun mittlerweile auch nicht erst seit gestern führt. Ich glaube, dieses traditionelle Weltbild, das sich Menschen im Laufe ihres Lebens aneignen und sukzessive verfestigen, entspricht dem Wunsch nach einer gewissen Konstante und Konstanz. Also der Wunsch nach etwas Bleibendem, Gewohntem, Vertrautem in einer sich mittlerweile doch recht schnell verändernden Welt.

Als ich mir beispielsweise vor einiger Zeit die Keynote zu iOS 12 ansah, wußte ich, dass ich diese Version nichtmal ansatzweise voll auskosten werde. Das ist so ein Beispiel, wo ich sage: Äh, das ist mir alten Frau jetzt echt zu viel. Brauch ich nicht. Brainsen Overkill.

Auch das Sich-Einlassen-Können auf andere Menschen wird für mich immer schwieriger. Man meint, man hätte mit paarnvierzig nun schon alle charakterlichen Geschmacksrichtungen kennengelernt. Das wiederum führt vermehrt zu Schubladendenken. Und ich liebe Schubladendenken. Denn das hält Ordnung im Kopf. Und leider ist es so, dass ich in den meisten Fällen recht behalte. Das bedeutet, dass ich die Menschen gleich in die richtige Lade stecke. Manche Laden öffne ich gerne öfter,  andere hingegen sollten am besten für immer zugeschraubt werden.

Das mit dem Schubladendenken ist nochmal ein ganz eigenes Thema, und wie ich bereits hier erwähnte, dümpelt noch immer ein entsprechender Text in meinem Entwurfsverlies.

Hm. Ach ja: falls es da draußen jemanden gibt, dem die Balance zwischen Interesse an Innovation und Bewahren von Tradition meisterhaft gelungen ist, möge er/sie sich doch bitte outen.

Ich muß jetzt los, Fliesentisch und Schrankwand (natürlich in Eiche depressiv) wollen poliert werden. Und danach gibts Ravioli von Maggi.

Das haben wir schon immer so gemacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Heute abend: Blutmond

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Quelle: Wikipedia

 

Während Sonnenfinsternisse ja immer einen relativ langen medialen Vorlauf haben (verständlicherweise, denn die kurbeln das Geschäft an – Stichpunkt: Schutzbrillen), erfährt die breite Öffentlichkeit von einer sich anbahnende Mondfinsternis immer erst sehr kurzfristig (so, als ob man sich nie sicher sein könnte, ob sie auch wirklich stattfindet :D).  Was ich schade finde, denn so habe ich schon einige verpasst oder zu spät bemerkt – und das, wo ich MoFis tendenziell viel schöner finde. Sie sind auch viel augenschonender. Und der ohnehin nocturn angehauchte Grufti in mir ergänzt mit schwarzlackiertem, hoch erhobenen Zeigefinger: und auch vieeeel romantischer.  In der Tat.

Für Kurzentschlossene ist es heute abend ist es wieder soweit: die in unseren Gefilden längste totale Mondfinsternis wirft ihren (Kern-)Schatten voraus. Und die Beobachtungsbedingungen bei diesem Wetter sind sicherlich sehr safe.

Und besser könnte es echt nicht kommen: Wochenende, Sommer, Tropennächte. Wer die Möglichkeit dazu hat, schnappe sich eine Decke, ein Körbchen mit Nahrung und verschwindet mit ihr auf eine Wiese, Lichtung, Hausdach, Dachterrasse, Flugzeug.

Das Leben ist verkackt und problembeladen genug. Gönnt euch diese Auszeit und denkt dran: Die schönsten Erinnerungen sammelt man zu zweit.

Hundstage

Long hot summer days
travelling out far
This driving music makes us
feel more than we ever are
I’m trying hard to get away from you
[….] but sure enough, I’m falling apart..“

(EMF – „Long summer days“ von ihrem Debut- und einzig guten Album „Schubert Dip“, 1991)

Hundstage. Es ist so unglaublich heiß, dass einem streckenweise das Atmen schwer fällt. „…. The pavements are burning.. [….] the air is too heavy and dry*²

Jedoch: mit der Hitze und den langen Sommertagen, dem Schwitzen und dem Lamentieren  kommen auch die Emotionen. Wünsche. Hoffnungen. Oder einfach nur Erinnerungen und Gedanken an früher. Sommerurlaub am Ostsee-Strand. Gefühlt endlose Ferien. Reife Getreidefeld. Die wenigen Male, die meine Mutter mit mir ins Schwimmbad fuhr und der Geruch von Chlor und Pommes mit Mayo. Untrennbar miteinander verknüpft. Oder der Grillgeruch, der abends bei uns durch die Siedlung zog. Das Grollen eines Sommergewitters am Horizont und der Grusel, der mich in diesem Zusammenhang  heimsuchte. Vor Gewitter hatte ich immer Angst als Kind, aber sie gehörten für mich zum Sommer dazu wie der ansonsten azurblaue Himmel und die scheinbar endlosen Tage. Dieses Gefühl, abends erschöpft ins Bett zu fallen und einen erfüllten Tag gehabt zu haben.

Vermutlich sind mir diese Szenen so im Gedächtnis verankert geblieben, weil ich mich damals wirklich lebendig und – zumindest für eine kurze Zeit – wirklich frei fühlte. Als Kind hat man ja noch diese gewisse Leichtigkeit, die einem, wenn man nicht aufpasst, mit der Zeit sukzessive abhanden kommt.

Exit memories and reminiscences.

Enter great expectations (ach, den rafft vermutlich eh wieder keiner 😦 )

Wird es jemals nochmal so sein? Kann ich nochmal so fühlen wie als Kind? Kann ich nochmal so sein wie ein Kind, damals, selbstvergessen und sich selbst genügend? Einfach zu sein im Hier und Jetzt, genießend und nicht an die Zukunft denkend. Selbstvergessen bei Pommes mit Mayo, ohne dabei an Fett und Kalorien zu denken, sich einfach kindisch benehmen, ohne einen Gedanken an die anderen zu verschwenden? Ich glaube nein. Der Zug ist abgefahren. Bewußtsein ist leider eine Einbahnstraße. Zu verkopft, zu verquer, zu …“erwachsen“. Try not to think of the pink elephant.

Hundstage. 37° and counting. Es ist zu heiß, um igend etwas zu tun.

Augen schließen. Sich wegträumen. Ans Meer träumen. Doch statt Schippchen und Eimerchen reicht der Mensch, den man liebt, neben sich auf dem Deckchen sitzen zu haben. Und dann und wann wie von der Tarantel gestochen aufzuspringen und laut kreischend Hand in Hand ins Meer zu rennen. Einfach so. Weil mans kann. Und weil es Spaß macht.

Und da ist er: Der perfekte Tag am Meer

Wenn auch nur in deinem Kopf. Aber ein bißchen ist es wieder so wie früher.

 

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Bananarama, „Cruel Summer“

 

 

Öffentlicher Gestank

Sommerzeit, Stinkezeit. Viele unserer Mitmenschen haben besonders im Sommer ein transpiratorisches Problem, das sich vor allem im öffentlichen Nahkampf häufig als absoluter Killer herausstellt. Ok, ist so. Kann man häufig nicht wirklich was gegen tun. Nach einem harten Arbeits- oder was-auch-immer-Tag müffelt man(n) und frau mitunter schon mal ein bißchen bis sehr intensiver. Das Übertüchen von schweißigen Geruchsnoten durch Deos jedweder Marke hat sich bisweilen als unzureichend erwiesen, denn manchmal ist der Schweißgeruch so stark, dass er sich nicht bekämpfen läßt. Und so stinkt man(n) oder frau bestenfalls weiter – mit einem Hauch CD, Doof oder sonstwas vermischt. Auch sehr lecker.

Die Wiener Linien interessiert das weniger. Dort findet man, dass jeder effektiv etwas gegen Körpergeruch tun kann. Und zur Zwangsbeglückung der Reisenden ist wohl geplant, demnächst mit dem Verteilen von Unisex-Deo zu beginnen. Abgesehen davon, dass ich das etwas übergriffig finde, an Fahrgäste Deodorant (vermutlich mit der Auflage, dieses auch im Rahmen einer Mitfahrt zu benutzen – mit Schnuppertest durch Kontrolleure inklusive?) zu verteilen, stelle ich mir den Gestank vor, der wiederum daraus entstünde, wenn wirklich hunderte von Leuten das selbe Deo benutzen würden – und, da kostenlos, vermutlich entsprechend inflationär. Vermutlich bleibt einem im Endeffekt durch diese Kollektiv-Vergasung mehr die Luft weg als durch einzelne Schweißel-Achseln.

Sinnvoll hingegen finde ich das künftige Essverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln (auch hier wieder die Wiener Linien). Sie folgen damit dem Beispiel, das bereits in anderen Großstädten (u.a. Berlin, wie sympathisch ;)) zum Standard gehört.

Schon zu Zeiten, als ich noch Fleisch konsumierte, habe ich den penetranten, aber leider obligatorischen Wurstbrotgestank Mitreisender gehasst. Egal, ob ich mich in S-Bahn, Regionalzug oder ICE befand – früher oder später packte IMMER jemand in meinem unmittelbaren Umfeld irgendeine für mein Empfinden widerlich riechende Wurststulle oder schlimmeres aus. Und aß sie. Schön langsam. Genüßlich. Der Gestank hielt sich gefühlt die ganze Fahrt über in der Luft und die Essgeräusche hatten zum Teil ein ganz eigenes qualitatives Gütesiegel für die Ohren. Und in diesem Zusammenhang werden auch Erinnerungen an diverse Arbeitskollegen wach, die in der Mittagspause ihr mitgebrachtes Zeug warm machten und am Arbeitsplatz goustierten. Häufig Menschen aus anderen europäischen und nichteuropäischen Regionen mit von meinem bisweilen äußerst stark abweichenden Speiseplan (bspw. Borschtsch – allgemein Krautgerichte – Kutteln usw. Mir wird heute noch schlecht, wenn ich daran denke).

Ganz widerlich finde ich auch diese in mindestens drei Litern Sojasauce ertränkten Mononatriumglutamatnudeln vom EKZ-Chinesen. Stilecht in diesen lächerlichen Boxen kredenzt (bekannt aus amerikanischen Fernsehfilmen und -serien, in denen die Protagonisten grundsätzlich irgendeine Asia-Scheiße oder Donuts konsumieren) und stinkend wie ein Güllewagen.

Nein, ich finde dieses Verbot wirklich gut und sinnvoll. Es sollte durchaus möglich sein, mal wenige Minuten bis zu einer Stunde – je nachdem, wie lange die Reise dauert – ohne Nahrung, Alkohol, Drogen oder Sex auszukommen.

Es wäre wünschenswert, wenn dieses Verbot auch hierzulande durchgesetzt würde. Aber ich glaube, dafür ist die Deutsche Bahn (an für mein Empfinden falscher Stelle) zu liberal. Schade eigentlich. Von daher gilt für mich weiterhin vorranging: Long live Dschömen Individualverkehr.

Verpeilt

Jeder Mensch hat ein individuelles Werteranking, welches idealerweise sowohl den Umgang mit als auch den Umgang von anderen Menschen mit einem selbst gleichermaßen berücksichtigt. Ganz getreu dem Motto“ Was du nicht willst, das man dir tu…“ und so weiter und so weiter.

Auf meiner Werteranking steht beispielsweise „Zuverlässigkeit“ ganz weit oben, wenn nicht sogar an oberster Stelle. Das resultiert aus dem Fakt, dass ich ein relativ hohes Sicherheitsbedürfnis habe und mit kurzfristigen situativen Veränderungen nicht immer  gut umgehen kann. „Nicht immer“, denn teilweise bin ich auch recht spontan und flexibel. Ich habe selbst noch nicht ganz herausgefunden, nach welchem System ich priorisiere, sprich: in welcher Situation ich tendenziell flexibler und in welcher tendenziell unflexibler bin. Ich glaube, je mehr Planung und Erwartungshaltung dran hängt, umso ungemütlicher werde ich, wenn was umgeschmissen, zeitlich/örtlich verändert oder gar gecancelled wird.

Häufig habe ich es auch mit sehr verpeilten Personen zu tun. Menschen, die entweder Probleme mit der Technik haben („oh, der Kalender in meinem Handy hat den Termin falsch/nicht gespeichert!“ – na sowas! Wie gut, dass du nicht in der IT arbeitest!) oder denken, sie lebten in einem anderen Zeit-Raum-Kontinuum: „WAS? Ich BIN doch pünktlich! Schau hier, MEINE Uhr zeigt genau….Uhr an!“(wahlweise unterstrichen durch den rhetorisch-empörten Annex: „Was WILLST du von mir?!“).  Oder jene, die unberechtigtes Vertrauen in ihr Gedächtnis setzen („ich merk mir das schon! Ich bin doch nicht doof! – Äh, wann war der Termin nochmal?“) oder aber, die einfach Spaß am Kokettieren haben: „Hihi, ich bin ja soooo verpeilt, hihi, irgendwann geh ich nochmal in Hausschuhen zum Einkaufen/arbeiten/….“ Hihi, ja. SUPER witzig! Für dich vielleicht. Geht ja nix über ein gesundes Maß an Selbstironie. Mal sehen, ob du das mit 75 und dement auch noch so lustig findest….

100%ige Kernschmelze-Garantie gibt es übrigens für den Satz: „….erinner mich da (nochmal) dran!“ Glaubst du nicht? Try me!

Nobody’s perfect, keine Frage. Aber erschreckenderweise sehen nur wenige Menschen, dass sie anderen Menschen mit ihrem Verhalten mitunter schon ziemlich schaden. „Schaden“ jetzt nicht im hochdramatischen Sinne, aber ein solches kontinuierliches Verhalten birgt ziemlich hohes Frustrationspotenzial.

„Mein Gott, was regt die sich darüber auf?“ wird sich jetzt manch einer fragen. „Wenn man mal was vergisst, ist das doch nicht schlimm!“. Ja. Das kleine Wörtchen „MAL“ kommt hier ganz groß raus. MAL was vergisst. MAL zu spät kommt. MAL einen Termin absagen muß. MAL einen Plan ändert. Aber wenn das häufiger oder sogar in schöner Regelmäßigkeit aufkommt, ist es mehr als eine liebenswürdige Macke, über die man sicherlich hinwegsehen kann. Dann ist es einfach nur kacke und respektlos.

Das wollte ich einfach mal ganz allgemein, aber auch aus aktuellem Anlass, loswerden. Jeder hat seinen historisch gewachsenen wunden Punkt, und jene, die ob dieses Beispiels verständnislos den KOpf schütteln, mögen kurz oder auch länger in sich hineinhören und sich fragen, was ihnen persönlich wichtig ist bzw. was sie von sich selbst und auch von andern erwarten. Und „nichts“ lasse ich hier nicht gelten 😉 Jeder geht mit einer gewissen Erwartungshaltung durchs Leben, genausowenig, wie wir uns komplett frei machen können von Vorurteilen und Klischeedenken. Aber das ist wieder ein anderes Thema, worüber wohl an anderes Mal berichtet werden soll…. 😉

 

 

 

Anders essen: das Privileg der Randgruppen

Mir ist heute etwas provokant zumute, deshalb bin ich mal an meinen Klischee-Schrank gegangen, um dort ein paar Schubladen aufzureißen und hemmungslos darin herumzuwühlen 😉

Wenn ich erfahre, dass jemand Vegetarier oder sogar Veganer ist, denke ich für mich „uh-oh, das könnte tendenziell anstrengend werden.“ Und richtig: meine bisherige Erfahrung mit Menschen, welche diese Ernährungsweisen präferieren, zeigte immer wieder, wie wichtig sie es fanden, ihre Ansichten wie eine Fahne vor sich herzutragen. Und bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wurden zumindest ein paar Sätze (meistens aber eher eine epische Abhandlung) darüber verloren. Standpunkte klar gemacht. Parolen geschmettert. Diskutiert. Postuliert. Enerviert. Warum kann man nicht einfach nur fleisch- oder tierproduktfreie Nahrung zu sich nehmen, ohne es zu einem Politikum zu machen?!!

Fragen wir mein Kopfkino, welche Bilder es zu diesem Stichwort formuliert, zeigt es sich äußerst vielfältig, wobei die Reihenfolge kein Ranking darstellt..

Strenggenommen kann man diese Menschen grob in ca. 3-4 Raster aufteilen:

Die LOHAS-Jünger, für die alternative Lebensformen reines Prestige sind. Für sie hat das was mit Sich-leisten-Können zu tun und denken dabei, ihr Gutmenschentum wüchse direkt proportional mit dem Geld, das sie für überteuerte Bioprodukte, Hochglanz-Landliebesleben-Magazine sowie Designer-Shirts aus Biobaumwolle ausgeben. Die Wahrheit ist: sie lassen sich einfach nur gerne verarschen und wollen ihr Gewissen mit viel Geld reinwaschen. Attila Hildmann et al freuen sich sehr darüber, sagen „Danke“ und „schön, dass es euch gibt!“

Die etwas bourgeoisere Form der porschecayennefahrenden LOHAS Nervensägen sind die Hipster. Hipster sind ja soooooooo cooool. Und sie haben soooooo den Plan. Vielleicht ein bißchen interessierter am großen Ganzen als die LOHAS-Dummbatzen, aber immer noch zu ignorant um zu kapieren, dass sie im Grunde genommen auch nur das Opfer eines Hypes sind. Ehrlichgesagt sind die Hipster für mein Empfinden auch nur bestenfalls als Statisten in diesem Stück anzusehen, denn sie sieht man eher in diesen  Burgerläden mit solch beknackten Namen wie „Marie im Pech“ und ähnlichen Etablissements mit nicht minder bescheuerten Namen. Bei denen fragt man sich ernsthaft, welche Substanz bei der Vergabe wohl gerade konsumiert wurde. Vielleicht sind diese behinderten Namen aber auch nur das Werk einiger übriggebliebener Prionen. Wer weiß das schon?!

Die dritte Kategorie umfasst folgende „Individuen“:   Ökomöken der Stunde Null: stilecht mit Hanfbeutel und in Sandalen, „ich-mache-diese-Welt-zu-einem-besseren-Ort“-Licht-und-Liebe-Arbeiter und verhärmte, ausgemergelte Hardcore-Sportler, die am liebsten nur an purer Erde lecken würden und sich ansonsten gegenüber jedem Genuss bewußt verschließen.

Die vierte Kategorie sind die Zecken. Für den Zeck steht das Thema „Tierrechte“ ganz weit oben (verständlich. Zeck…..= Tier….. na, kapiert? 😉 😀 ) Der Zeck-Tierrechtler macht mitunter komische Sachen: befreit Labortiere, ohne sich der Gefahr, die von ihnen ausgehen kann, bewußt zu sein (ja nee, die haben die da nur eingesperrt, weil das böse Menschen sind. Die machen sonst nichts mit denen, keine Versuche usw. Neee, die kann man schon mitnehmen. Kein Problem!), bewirft Leute in Fußgängerzonen mit Tofu, dabei mahnte schon Mutti, dass man nicht mit Essen spielen soll.  Der echte Zeck ist ein Ant*f* und fühlt sich damit zu Höherem berufen. Ohne jedoch sich darüber im Klaren zu sein, dass er mit seiner extremistischen und reaktionären Art auch nicht  besser ist als die Braunen. Er bildet zu den Braunen noch nichtmal ein Antidot – er ist einfach nur das andere Extrem und damit tendenziell genauso unsympathisch (Stop! Euphemism-Time!).

Vier Kategorien, vier Motive, viermal die selbe Ernährungsweise. Was sie verbindet, ist das Randgruppentum.

Ich frage mich, warum es so schwer ist, als „normaler“ Bürger ein gesundes Gespür und Mitgefühl für andere Lebewesen zu entwickeln. Es einfach als normal und selbstverständlich anzusehen, dass Fleisch in der menschlichen Ernährung defintiv überbewertet wird, entsprechend zu handeln, aber es nicht zu einem Politikum zu machen.

Und daraus resultiert für mich die Frage, warum überhaupt so viel übe Essen diskutiert wird. Ist es, weil es so viel Nachholbedarf gibt? Weil wir viel zu lange alles mögliche völlig unkritisch in uns hinein gestopft haben? Weil es wichtig ist, dass es solche Randgruppen gibt, die zwar nervig sind, aber vielleicht doch ihre Daseinsbereichtigung haben im Sinne von „Aufrütteln“? Weil Ernährung (essen ist ein Grundbedürfnis) doch auch viel mit Prestige und der gesellschaftlichen Stellung zu tun hat (siehe Gruppe 1, die LOHAS)? Ein Wohlstands-/Luxusproblem oder dringend notwenige Grundsatzdiskussion hinsichtlich der Anpassung ethischer Werte?

Tatsächlich gehen mir diese ganzen Diskussionen um die Ernährung mittlerweile tierisch (sic!) auf den Kranz. Aber ich verstehe, dass es für viele Menschen eben nicht so einfach ist, neue Wege einzuschlagen. Herauszufinden, was gut ist, was eher weniger gut ist. Sich zu informieren und auf dem Weg zum Ziel auch mehrmals die Meinung zu ändern bzw. dem jeweiligen Informationsstand anzpassen.

Ja, es ist alles nicht so einfach.

Leider fehlt mir an dieser Stelle mal wieder die Pointe bzw. ein sinnvoler Bogen, um diesen Artikel so zu beenden, dass er nicht abgehackt wirkt. Ich könnte jetzt sowas schreiben wie „Soooo, dann geh ich mir jetzt mal ein leckeres Mettbrötchen holen“ oder so.

Aber ich ess ja gar keine Mettbrötchen.

Hm.

 

 

Drei Jahre

Am 23. Juli 2018 „feiert“ liebetodundteufel seinen dritten Geburtstag. Leider habe ich mich nicht rechtzeitig genug um einen Kita-Platz bemüht, weswegen mir dieser kleine Quälgeist dann wohl auch weiterhin am Rockzipfel hängen wird.

Obgleich dies nicht mein erster Blog war, den ich ins Leben rief, muten die ersten Einträge hier etwas arg hölzern an. Aller Anfang ist schwer (phrasendresch). Ja, das ist wohl so.

Auch die Entwicklung des Blogs hat sich etwas anders vollzogen als ursprünglich geplant. Tatsächlich sollte eigentlich mehr das Schwarzromantische im Vordergrund stehen, aber so ist es eher ein Hauch dessen, der – sagen wir mal – zumindest drei Viertel der Blogeinträge dezent überzieht. Immerhin erfülle ich das Klischee dahingehend, dass ich oft genug den Tod thematisiere und spätherbstliche Friedhofsfotos poste (#Selbstironie).

Die Reaktion der Öffentlichkeit auf diesen Blog ist weiterhin verhalten. Fantastische 27 Follower konnte ich in dieser Zeit dauerhaft begeistern, wobei „begeistern“ vermutlich nicht das richtige Wort ist… vielleicht sollten wir es eher so formulieren: die meisten von ihnen haben wahrscheinlich nur vergessen, mich wieder von ihrer Blogroll zu entfernen 😉 Nicht falsch verstehen: ich freue mich über jeden einzelnen Follower und wenn das, was ich so absondere, auf Interesse stößt, freue ich mich tatsächlich um so mehr.

Hier noch ein wenig Statistik:

In drei Jahren habe ich es auf doch recht beachtliche 159 Einträge geschafft. Das sind durchschnittlich 3,3 Beiträge pro Monat. Unter Berücksichtigung dessen, dass ich erst im Sommer 2016 anfing, regelmäßig zu posten und die meisten Beiträge erst im Laufe der letzten zwei Jahre entstanden sind, macht dies einen monatlichen Durchschnitt von 6,6 Blogposts. Und ich finde, das kann sich schon sehen lassen.

Schaun wir mal, ob und wie es weitergeht. An dieser Stelle jedenfalls nochmal einen herzlichen Dank für das Interesse eines jeden Besuchers (genderunabhängig ;)) dieses Blogs – ega, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt hier gelandet….