#Hamsterrad

Die vergangenen acht Jahre meines Lebens haben sich alles andere als mit Ruhm bekleckert. Bis ca. 2007 war es bei mir noch so, dass „lediglich“ jedes vierte bis fünfte Jahr so richtig scheiße lief und dazwischen ein bißchen Zeit zur Erholung war. Aber schon seit 2013 kann ich nicht mehr behaupten, auch nur ein einigermaßen gutes Jahr gehabt zu haben.

Blickte ich in der Vergangenheit zum Jahreswechsel wenigstens noch einigermaßen optimistisch in die Zukunft – und sei’s nur aus dem Grund, dass schlimmer für mein Empfinden nicht mehr ging – legte das Schicksal milde lächelnd noch eine Schippe obendrauf. Mittlerweile weiß ich: Luft nach oben gibts immer. Lesson learned.

Somit nicht verwunderlich, dass auch 2020 sich nahtlos in die Reihe der Scheißjahre einreihte. Wobei man der Fairness halber erwähnen sollte, dass dieses Jahr für so ziemlich jeden mehr oder minder schlecht gelaufen sein dürfte dank Corona.

„Now when the Lamb opened the fourth seal, I saw, I saw the fourth horse. The horseman was the Pest“ (Aphrodite’s Child, The Four Horsemen)

Schon Silvester 2019/2020 bot einen sehr realistischen Vorgeschmack auf die kommenden 366 Tage. Es verstrich keine Zeit, bis auch schon der erste apokalyptische Reiter an die Türen klopfte: die Pest – im doppelten Sinne des Wortes. Geister aus der Vergangenheit. Gekommen, um zu bleiben. Es geht doch nichts über treue Begleiter. Und selbst, wenn sie dir das Leben zur Hölle machen, ist es doch immer noch besser, wenn dir jemand diese Aufgabe abnimmt und du dich nicht selbst kaputt machen mußt.

Ich wußte schon öfter nicht mehr, wie es weitergehen soll. Und es ist immer irgendwie weitergegangen, wenngleich nach dem Motto „same shit different day“. Ich sehe mich auch nicht als Opfer der Umstände, auch wenn dieser Blogpost ein wenig den Eindruck erweckt: nein, ich weiß, ich könnte viele Dinge ändern, indem ich anderen Leuten in den Arsch krieche. Mich verbiege. Und mich damit auch ein stückweit selbst verleugne. Freundlich nicken zu dem Scheiß, den andere für die ultimative Realität halten und keine anderen Meinungen und Ansichten zulassen. Einfach so. Dann wäre ich Part of the Game. Würde mir vieles erleichtern. Einfach in den Kanon der Schwachsinnigkeit einstimmen. Aber ich könnte mich dann nicht mehr im Spiegel betrachten.

Jeder hält Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit und Toleranz für erstrebenswerte Eigenschaften und fordert sich von anderen ein. Nur bei sich selbst machen sie eine Ausnahme.

Ich weiß nicht mehr weiter.

2021 wird kommen und das Leben geht weiter. Es geht immer weiter. Weitergehen bedeutet nicht zwingend fortbewegen. Man kann auch einen Fuß vor den anderen setzen und sich trotzdem nicht vom Fleck bewegen.

#Hamsterrad

Wenn letztlich doch noch alles einen Sinn ergibt…

…. und der Kreis sich schließt.

„I was born with the wrong sign
In the wrong house
With the wrong ascendancy
I took the wrong road
That led to the wrong tendencies
I was in the wrong place at the wrong time
For the wrong reason and the wrong rhyme
On the wrong day of the wrong week
I used the wrong method with the wrong technique

Wrong
Wrong

There’s something wrong with me
Chemically
something wrong with me
Inherently
The wrong mix in the wrong genes
I reached the wrong ends by the wrong means
It was the wrong plan
In the wrong hands
With the wrong theory for the wrong man
The wrong lies, on the wrong vibes
The wrong questions with the wrong replies

Wrong
Wrong

I was marching to the wrong drum
With the wrong scum
Pissing out the wrong energy
Using all the wrong lines
And the wrong signs
With the wrong intensity
I was on the wrong page of the wrong book
With the wrong rendition of the wrong hook
Made the wrong move, every wrong night
With the wrong tune played till it sounded right yah

Wrong
Wrong

Too long
Wrong

I was born with the wrong sign
In the wrong house
With the wrong ascendancy
I took the wrong road
That led to the wrong tendencies
I was in the wrong place at the wrong time
For the wrong reason and the wrong rhyme
On the wrong day of the wrong week
I used the wrong method with the wrong technique

Wrong“

(Depeche Mode, Wrong)

Pärchenstudien im schwedischen Möbelhaus

Wenige Orte mögen zu Studienzwecken besser geeignet sein als der Schwede mit den vier gelben Großbuchstaben. Anlaufstelle von gefühlt jedem (noch mehr oder weniger) frischverliebten Paar – durchaus mit Spin-off-Qualitäten zu „Unsere erste gemeinsame Wohnung“.

Bester Tag für solche Studienzwecke ist natürlich der Samstag. Unter der Woche treiben sich eher Singles und Mamis bzw. gleichgeschlechtliche Paare (ob nun fest verpartnert oder platonisch) herum und diskutieren die neueste Handtuchmode.

Samstags zeigt sich dann – nicht nur am Inhalt des Einkaufswagens – wer schon länger zusammen ist und wer von den ganzen Menschen sich frischverliebt und rosabebrillt ins turbulente Schwenden-Leben stürzt. Nein, über den Beziehungsstatus gibt vor allem die Mimik und Körperhaltung des Mannes Auskunft: lacht er und schafft eifrig Nistmaterial herbei, ist davon auszugehen, dass die Beziehung noch frisch ist und die Motivation noch entsprechend hoch.

Etwas anders schaut es da schon ein paar Meter weiter vorn aus. Dort zeigt der Mann noch überdurchschnittliche Aufmerksamkeit, während die Frau an seiner Seite ihm geduldig die Vorteile von Hemnes gegenüber Pax erklärt, er nickt eifrig und versucht sich einzubringen. Aber das Feuer in seinen Augen ist größtenteils erloschen. Seine Gedanken kann man quasi hören: „Jaa, jaa. Bla bla“. Nicken, lächeln, …… denken. Die Frau ist zufrieden und greift zum Produktzettel.

Einige Meter weiter steht ein einzelner Mann unglücklich dreinschauend zwischen HEMNES und BRIMNES. Sein Zeigefinger bohrt sich grübelnd in die Oberfläche des unschuldigen Sideboards. Seine Unterlippe zuckt und sein Gesichtsausdruck ist trotzig. Kurz überlege ich im Vorbeigehen, ob er im Smaland rausgeflogen ist oder sich einfach verlaufen hat. Oder ob er sonstwas braucht. Kurz bevor ich zu ihm gehen und ihn fragen kann, ob er auch von meinen imaginären HRB* Goldbären haben möchte, ertönt eine eindringliche Frauenstimme. Der Mann zuckt (weiter in sich) zusammen. His Mistress‘ Voice. Zeit zum Weitergehen. Hinter mir höre ich: „So Stefan, guck mal was ich hier für dich Tolles gefunden habe. Einen Aufhänger für deine Krawatten, dann ist nicht mehr so eine Unordnung in deinem Schrank, das kann die Mama nämlich gar nicht leiden!„.

Ich bahne mir meinen Weg weiter durch das Einkaufsparadies. Lachende Paare, stumme Paare, schreiende Kinder, zwischendrin eine StundentInnen-WG-Gruppe, die die geplante Anschaffung eines Sofas basisdemonkratisch ausdiskutiert. Die dicke Elfe, die sich auf ein Bett geworfen hat und jetzt wie ein Maikäfer auf dem Rücken liegt und nicht mehr aufstehen kann. Oder hier das mittelalte Business-Paar, das sich ganz sicher nur verlaufen hat und eigentlich zu Who’s perfect? wollte.

Gemeinsam haben sie aber trotzdem alle etwas: ihre Beziehungen zueinander, die sich im Laufe der Zeit verändern werden. Und zwar in einem Muster, das offenbar in irgend einer Weise vorgezeichnet ist. Vorgelebt wurde. Vererbt. Oder einfach – für die Gläubigen unter uns 😉 – vom lieben Gott implementiert. Vom enthusiastischen Nestbauer zum stumpfen, sich mit dem Schicksal arrangiert habenden Kerl, der seinen Kick schon lange woanders sucht und findet. Vom frischverliebten Mädchen zur verbitterten Hippe. Der Weg, den wir gehen, ist irgendwie immer derselbe. Den imaginären Richtungspfeilen folgend, von einer (Lebens-)Abteilung in die andere. Man fängt fröhlich am Eingang an, und zum Schluß muß man zahlen und ist beladen mit ganz viel Ballast, von dem man sich erst später fragt, was davon jetzt wirklich notwendig gewesen wäre………

 

Ihr Kinderlein, kommet!Vom rechten Umgang mit jemandem, der gesetzlich gesehen so ziemlich alles darf

Seit einiger Zeit ist die psychische und physische Unversehrtheit, also die generelle Unantastbarkeit von Kindern gesetzlich geregelt. Eltern dürfen ihre Kinder nicht mehr schlagen, wobei hier auch der Klaps im Affekt auf dem Index steht, was wieder klassisch für ein Gesetz ist: beschlossen und verkündet, aber in der Realität vermutlich genauso oft mißachtet wie ein Stop-Schild im Straßenverkehr.

Ich gehe daher davon aus, dass nicht wenige Kinder hierzulande trotz Gesetzen eine recht beschissene Zeit haben. Weil sie Eltern haben, die teilweise schon mit sich selbst überfordert sind, ganz zu schweigen mit der Erziehung. Weil sie Eltern haben, denen es wichtiger ist, den ganzen Tag am Handy zu daddeln oder ungestört Fernsehen zu glotzen. Die nicht so richtig was mit ihrem Nachwuchs anzufangen wissen. Ihn deshalb entweder die ganze Zeit gängeln oder sich selbst überlassen. Gerne auch eine Mischung aus beidem (ja, das ist durchaus machbar…), damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Kind ein besonders verhaltenskreativer Erwachsener entspringt.

Die allgemeine Regelung schutzwürdiger Interessen ist jedoch trotzdem sehr sinnvoll, keine Frage. Wobei ich finde, dass das eine globale Sache ist (somit alle Lebewesen und vor allem die Natur inkludieren sollte) und traurig genug, dass es überhaupt gesetzlich geregelt werden muß.

Andererseits ist der Gesetzgeber jedoch für mein Empfinden über diese vernünftigen Regelungen weit übers Ziel hinaus geschossen, denn er hebt Kinder in einen Status, der dem der Heiligen Kühe Indiens gleichkommt. Sprich: sie dürfen quasi alles außer Sachbeschädigung, Diebstahl und Betreten fremder Grundstücke (wobei es aber auch hier bis zu einem gewissen Alter einen Welpenschutz gibt. Also selbst diese Verfehlungen werden erstmal nicht so eng gesehen, wodurch auch hier wieder indirekt an eine erhöhte gesellschaftliche Toleranz appelliert wird). Immissionen, die von Kindern ausgehen – und wir alle wissen, dass diese NICHT unerheblich sein können! – werden vom Gesetzgeber NICHT als Lärm bezeichnet und können demnach weder als Lärmbelästigung angeführt noch in den Senkel gestellt werden.  Während Immissionen anderer Lebewesen, wie erwachsenen Menschen und selbst Tieren (Stichwort: krähende Hähne und bellende Hunde) dem Gesetzgeber ab einem gewissen Punkt ahndungswürdig erscheinen (Hund muß Maulkorb tragen, Hahn muß zu gesonderten Zeiten weggesperrt werden), dürfen Kinder eigentlich immer herumlärmen, äh: sich ausleben. Das ist eine sehr ungünstige Lösung, denn dadurch, dass der Gesetzgeber von vornherein quasi so ziemlich jede Möglichkeit, sich dagegen auch nur ansatzweise zu wehren, könnte sich bei Betroffenen schneller Druck hinsichtlich einer gewissen Hilf- und Machtlosigkeit aufbauen. Man ist quasi dazu verdonnert, alles milde lächelnd hinzunehmen und sich im schlimmsten Fall davon das Leben richtig schön versauen zu lassen. Damit die Pille nicht allzu bitter schmeckt, hat der Gesetzgeber dann noch einen kleinen Zuckerguss als Add on obendrüber gekippt: das blabla, dass letzlich gegenseitige Toleranz und Rücksichtnahme zu einem guten Miteinander führt und dass man dann doch miteinander reden soll, um ggfs. individuelle Lösungen zu finden. Auf gut deutsch heißt das:

So liebe Menschen, im allgemeinen lasst die Kinderlein machen was sie wollen, sie können, nein DÜRFEN den ganzen Tag schreien und spielen. Und unter Umständen auch in der Nacht. Wenns jemanden stört, kann er ja so lange reingehen, sich Kopfhörer aufsetzen oder am besten gleich wegziehen, dahin, wo es ruhiger ist (ja, so wie es HIER war, bevor sich gewisse Änderungen ergaben. Aber kein Problem, ich bin schon unterwegs in meine neue Bleibe. Aber auch DA wird es sicherlich nicht lange dauern, bis mir der nächste Schreihals vor die Nase gesetzt wird /Ironie). Wenn es euch zuviel wird, REDET doch miteinander und findet eine Lösung. Eine gute Idee. Ich werde also folgendermaßen an die Mütter, die sich wenigstens manchmal zeigen, herantreten:

„Guten Tag. Ich bin Ihre Nachbarin und mein Leben ist seit geraumer Zeit die Hölle. Ihre Kinder spielen täglich von morgens bis abends zum einen auf einem Grundstück, das sie streng genommen gar nicht betreten dürften, weil es nicht zu Ihrem angemieteten Grundstück gehört. Strenggenommen beschmutzen und beschädigen sie fremdes Eigentum. Durch das zum Teil hohe Verkehrsaufkommen – mittlerweile auch durch angelockte Kinder aus der weiteren Nachbarschaft (an den besten Tagen bis zu 10 Kinder) – verstehe ich, wenn ich draußen bin, mein eigenes Wort nicht mehr, weil das Grundstück, auf dem sich Ihre Kinder strenggenommen unerlaubterweise befinden, direkt an mein Grundstück grenzt. Wissen Sie, eigentlich hätte ich das Problem gar nicht, wenn Sie dafür Sorge tragen würden, dass Ihre Kinder sich nicht auf fremden Grundstücken ausleben!“

Die möglichen Antworten darauf sind überschaubar:

„Was? Nix verstehen.“

“ Was?“

„Nix verstehe“

„Geh weg, auslanderfeindliche Puta!“

„Sindde Kinder, musse spielle!“

„Auslanderfeind!“

„N*z*!“

„Jaja. Ok. Jaja“ (Lächeln, nicken, „Arschloch“ denken)

 

Ok. Stark überspitzt dargestellt, keine Frage. Und natürlich würde ich es SO auch ganz sicher nicht formulieren. Dennoch sind das letztlich die Fakten: Ein Grundstückseigentümer, den es nicht bockt, dass seine Ignoranz zu einer Zerreißprobe werden könnte und das ebenso ignorante wie arrogante pauschale Voraussetzen der tiefenentspannten Kindseltern, dass die Nachbarn gefälligst alles stillschweigend zu schlucken haben, was ihr Nachwuchs so treibt.

 

Was mich so ärgert, ist der Fakt, dass die nachbarschaftliche Toleranz grundsätzlich vorausgesetzt wird, in allen Belangen. Es ist überall so. Es wird in den meisten Fällen vorsichtig angetestet, ob „jemand was sagt“, und natürlich sagt niemand was, weil keiner der Meckeraffe aus der 17 sein will. Man labert es sich schön „ach naja, ist mal ne Ausnahme, stört mich ja jetzt auch nicht wirklich“. Ist vielleicht anfangs auch noch wirklich so. Aber meine tiefgreifende Erfahrung hat gezeigt, dass diese entgegengebrachte Toleranz grundsätzlich sukzessive ausgehöhlt wird. Stück für Stück. Erwachsene sind in diesem Fall auch nicht anders als diese Kinder, um die es hier geht. Die testen ihre Grenzen. Und da wir ja alle zum toleranten Gutmenschentum gesetzlich verdonnert werden, reißen diese Grenzen halt schnell ein bzw. erweitern sich ins Unermessliche. Sagt man was, heißt es „ich darf das!“, oder man ist gleich der „Auslanderfeind“, ist ja auch ein gern genommenes Totschlagargument. Tatsächlich ist es mir scheißegal, in welcher Sprache die schreien, wobei ich aber auch fairerweise sagen muß, dass es sich tatsächlich um südländische Kinder handelt, was aber bestenfalls  hinsichtlich des zusätzlichen Temperaments von Bedeutung ist.

Ein ausgewogenes Verhältnis von nachbarschaftlichem Geben und Nehmen habe ich noch nie so recht erlebt und frage mich, ob das überhaupt real existiert. Ich habe es grundsätzlich so kennengelernt, dass (sich) der eine zunehmend (heraus)nimmt, und der andere alles schluckt. Machst du den Mund auf, bist du entweder der intolerante Arsch oder – wenn du lange Zeit ZU tolerant warst (auch falsch!) – du darfst dir anhören: „Jetzt auf einmal? Warum hast du denn nicht vorher was gesagt?!“

Es ist zum Kotzen, und es macht mich auch streckenweise unglaublich wütend. Ich will keine von diesen übern Gartenzaun keifenden Bitches sein oder erfolglos die Gerichte bemühen, aber die Erfahrung zeigt, dass das direkte Gespräch auch nicht erfolgversprechend ist und dann vermutlich noch die Babas nachgeschickt werden, die klären sollen, ob es ein „Problem gibt“. Aha. Hinnehmen will ich es aber auch nicht und von hier weggehen ist auch keine Lösung mehr. Oft genug bin ich in meinem Leben vor solchen Situationen geflohen. Ich kann und will das nicht mehr.

 

Man darf ja wohl noch seine Meinung sagen!

Normalerweise bin ich niemand, der sich mit Aphorismen und Zitaten „berühmter“ (und weniger berühmter) Leute schmückt, um eigene Befindlichkeiten oder Ansichten zum Ausdruck zu bringen. Mir reichen schon die polemischen Fuckbook-Weisheiten, die gefühlt jeder zweite Spacken teilen muß, weil er sich ja sooooo angesprochen fühlt (ergänzt durch einen beherzten „jawoll, so isses!“-Daumen). Es gibt schon zu viele Zitate, die keiner mehr hören will. Nicht mehr hören kann. Die sich so dermaßen totgedroschen haben. Carpe diem!, Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter, jeder Tag ohne Kotzen ist ein verlorener Tag. Meine Güte, Charlie Chaplin, Oscar Wilde und auch so manch griechischer Philosoph dreht sich vermutlich mehrfach täglich in seinem Grab um.

Eine einzige Ausnahme bildet für mich ein Zitat von Dieter Nuhr, pikanterweise wird es auch gleichzeitig sein bekanntestes sein.  Gerne wird es in gekürzter Fassung wiedergegeben („wenn man keine Ahnung hat: einfach mal Fresse halten!“), ich finde aber, die Aussage bekommt erst durch die Originallänge des Zitates die komplette Wertigkeit:

Das ist so schrecklich, dass heute jeder Idiot zu allem eine Meinung hat. Ich glaube, das ist damals mit der Demokratie falsch verstanden worden: Man darf in der Demokratie eine Meinung haben, man muss nicht. Es wäre ganz wichtig, dass sich das mal rumspricht: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.“ – Nuhr nach vorn, 1998, „Fresse halten“ [Quelle: quotez.net]

Genau das ist es. Es geht nicht nur um Ahnung im Sinne von (fachlicher) Kompetenz, sondern auch um das Wissen, wann es angebracht ist, mal das Maul zu halten. Vielleicht einfach, weil man es kann bzw. darf.  Ja, man DARF auch mal das Maul halten.

Aktuelles Beispiel:

Das Ableben zwei berühmter Menschen, die sich im Sport einen Namen machten: Manfred Burgsmüller (Fußball) und Niki Lauda (Formel 1 – u.a.

Ich habs nicht so mit Sport. Herrn Burgsmüller kannte ich zum Beispiel gar nicht, an Niki Lauda hingegen kommt eigentlich keiner vorbei.

Durch die Kommentarfunktionen der einzelnen Nachrichtendienste sowie diverser Internetforen bleibt heutzutage eigentlich kein Ereignis unkommentiert. Egal wie wichtig oder unwichtig die Meldung: es gibt immer einen, der sich dazu berufen fühlt, seinen Psalm abzulassen. Selbst bei Youtube.

Zu Niki Lauda als Person des öffentlichen Lebens und offensichtlichen Sympathieträger in vielerlei Hinsicht haben nun sehr viele Menschen etwas zu sagen. Die meisten verhalten sich angemessen, bedauern seinen Tod, ehren seine Erfolge, huldigen ihm als Persönlichkeit, dreschen noch ein paar Phrasen, bspw. dass wieder mal ein „ganz Großer“ gegangen ist und die „ganz Großen“ ja immer weniger werden (den Spruch kenne ich schon, seitdem ich lesen kann. Und irgendwie gibt es immer noch „ganz Große“ – sie werden zwar weniger, aber sterben trotzdem nie ganz aus) und haben dann fertig. Bei genauerem Betrachten kann man sich natürlich auch fragen – quasi als Fleißaufgabe – wie aufrichtig diese Beileidsbekundungen gemeint sind und ob diese Leute diese Gedanken auch schon hatten, als die entsprechende Person noch lebte und bspw. im Krankenhaus lag. Ich gehe davon aus, dass sich durchaus der ein oder andere Pharisäer unter diesen Kondolierenden befindet – aber seis drum, dann ist es bestenfalls Geheuchel, das keinem wirklich weh tut.

Anders sieht es aus, wenn man sowas wie „Ja mei, jeden Tag sterben x Menschen, die armen Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken und die Kriegswaisen und auch die Tiere in den Massentierhaltungen, Schlachthöfen und überhaupt die ganzen armen Menschen, die nichts zu essen haben und bla. Aber um $Person wird getrauert, was hat die denn für den Weltfrieden getan?“ liest.

Bei solchen Kommentaren frage ich mich ernsthaft, was bei der Zeugung und/oder Aufzucht dieser Individuen falsch gelaufen ist. Menschen, die auf Taktgefühl sowas von scheißen, dass einem schlecht wird und von denen man hofft, ihnen nie, nie, niemals zu begegnen. U(nd ich frage mich auch, was passieren würde, wenn man so etwas auf der Beerdigung der Eltern, des Partners (m/w/d) oder gar des Kindes dieser Personen zum Besten gäbe. Mei, stell disch doch net so o. Jeden Tag sterben soooo viele Menschen, was hat denn deine Mama, dein Papa, dein Kind oder dein Ehepartner für die große weite Welt, den Weltfrieden, den Bienen- oder Klimaschutz getan?! Warum flennst du hier so rum? Rette lieber ein paar Flüchtlinge, damit wenigstens DIR eine aufrichtige postume Laudatio sicher ist!

Ja man wird ja wohl noch seine Meinung sagen dürfen!

Na klar. Kannst du. Deine wertvolle Meinung in einem sehr passenden Augenblick zu einem sensiblen Thema… nur raus damit! Du bist nur echt und aufrecht, wenn du jederzeit, egal wie passend oder unpassend (Zeit oder Kommentar) deine sakrosankte Meinung absondern kannst. Wir leben ja in einer Demokratie und wir leben Meinungsfreiheit. Anytime, anyplace, anywhere.

Und DIESE Leute, meine Damen und Herrren und Diverse,  sind kurioserweise gleichzeitig auch diejenigen, die mit Kritik am schlechtesten umgehen können. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Ja, man darf ja wohl noch…..!

Nuhr, übernehmen Sie.

Distanzlosigkeiten

Speziell der Frühling ist für mich ja immer eine recht sensible Zeit. Zum einen habe ich diesen in meinem (very own) Leben historisch gewachsenen Erlebnis- und Erlebensdruck („Mist, es ist schönes Wetter, dann mal schnell raus, was erleben und so. Weiß zwar nicht immer was, aber egal“), der dann zum anderen häufig, wie bereits berichtet, mit den anders gearteten Interessen und Verhaltensweisen meiner lieben Mitmenschen kollidiert. Erst kürzlich bin ich weit in die Wildnis geflüchtet, in der Hoffnung auf etwas Ruhe. Und ja, die hatte ich auch, bis nach ca. einer Stunde erneut das Ungemach inform von näherkommenden Kinderstimmen heranrollte. Und WIEDER hatte ich diese Erkenntnis: du kannst nicht gewinnen. Wenns dich stört, mußte halt gehen. Oder du bist milde lächelnd dankbar für die geschenkte Stunde der Ruhe.

Wie außerordentlich (um nicht zu sagen: erschreckend) wenig Fingerspitzengefühl Menschen besitzen können, habe ich bereits vor einigen Jahren an einem ganz eklatanten Beispiel beobachtet: ich saß in einem Park auf einer recht abgeschiedenen Bank und aß etwas, das ich mir unterwegs gezogen hatte. Die Bank stand unmittelbar vor einer räumlich sehr schmalen Aussichtsbrüstung. Wenn Leute kämen, um die Aussicht zu betrachten, säßen sie mit einem Schritt rückwärts fast auf meinem Schoß. Etwas ungünstig gelöst, aber ok. Ich rechnete erstmal nicht mit hohem Andrang. Hm. Ja. Und das Leben so: „Ist ja alles ganz schön, was du da sagst. Aber ich hab da schon mal was anderes vorbereitet“.

Und so:

Einige Zeit verging, als sich plötzlich zwei junge Leute näherten, ein Männlein und ein Weiblein, keine Ahnung, irgendwas zwischen 18 und Anfang 20. Kamen laut palavernd daher und schafften es tatsächlich, sich direkt mir gegenüber an die Brüstung zu stellen und weiterzupalavern. Wir standen uns quasi direkt vis-a-vis, mit unter einem Meter Luft dazwischen. Mir war das zum einen aufgrund der beengten räumlichen Situation total unangenehm, zum anderen wegen des Gesprächsinhaltes, den ich gezwungenermaßen mitbekam, zumal sie nicht besonders leise sprachen. In einem plötzlichen Anflug von Optimismus dachte ich mir, dass es ihnen vermutlich auch nicht sehr angenehm sein würde, ihre Beziehungskisten vor den Ohren Dritter auszudiskutieren. Vielleicht hatten sies aber auch nur auf die Bank abgesehen und wollten mich unbewußt wegätzen. Keine Ahnung. Jedenfalls dachte ich, ok, ruhig bleiben. Die sind bestimmt gleich wieder weg. Nachdem meine Hoffnung aber (wie in den meisten Fällen) jäh enttäuscht wurde und ich wieder einmal feststellen durfte, wie schmerzfrei andere Menschen sein können, fragte ich sie nach ca. 5-10 Minuten, ob sie etwas dagegen hätten, dass ich hier in Ruhe weiteressen möchte und dass hier vielleicht nicht der richtige Ort für solche Gespräche wäre, da sie mir fast auf dem Schoß säßen. Der ehrlich überraschten Reaktion zufolge haben die das tatsächlich davor kein bißchen gecheckt. Sie nickten dann nur halb abwesend und zogen tatsächlich ohne einen Brumm weiter, ich hatte wieder meine Ruhe und wunderte mich noch eine Zeitlang über dieses Verhalten. Wohlgemerkt: wunderte.

Ein anderes Mal ein ähnliches Spiel. Wieder in einem Park, saß ich mit meiner Begleitung auf einer Mauer und unterhielt mich. Die Mauer war sehr lang, das Gelände sehr weitläufig. Außer uns war kaum jemand zu sehen. Plötzlich näherte sich uns ein Typ, der lautstark telefonierte. Er kam schnurstracks auf uns zu, stellte sich wirklich so ziemlich  direkt neben meine Begleitung und telefonierte weiter. Lautstark. Wir rückten erst ein Stück ab, er rückte nach. Wir verstanden unser eigenes Wort nicht. Irgendwann wurde es meiner Begleitung zu blöd und bat den Telefonierenden, doch bitte ein Stück abzurücken. Dieser reagierte total angepisst. beschwerte sich dann bei seinem Telefonpartner sofort darüber, dass man ja nirgends mehr in Ruhe telefonieren könne (!). Trotzdem verpisste er sich dann, weil er mit solchen „Idioten“ wie uns scheinbar nix zu tun haben wollte.

True story. Keine versteckte Kamera.

In abgemilderter Form erlebe ich ähnliche Phänomene fast täglich:

Kaum sitzt man irgendwo, setzt sich jemand dazu. Egal wo. Hast du Glück, mit etwas Abstand, hast du Pech, direkt neben dich. Und wenn du besonders viel Glück hast, schmeißt derjenige sich dann auch gleich eine Kippe in den Hals für noch mehr Spass am Leben. Frische Luft wird sowieso überbewertet. Dieselskandal, Feinstaub…worüber reden wir also?! (Vielleicht kennt jemand auch ein ähnliches Beispiel vom jährlichen Handtuch-auf-Liegen-Schmeiß-Contest in einschlägigen Ferienorten.)

Stehst du vor einem Schaufenster, steht meistens (nicht immer) relativ schnell jemand neben dir. Ich wollte das immer mal auf die Spitze treiben, indem ich vor einem leeren Schaufenster „Bor, guck mal, wie geil!!!!“ schreien wollte. Bisher wurde ich nur immer davon abgehalten. Aber irgendwann mach ich das nochmal. Einfach, weil ichs kann.

Total leerer Parkplatz. Irgendwelche vier, fünf Autos verstreut auf gefühlten 800000000 Hektar. Du parkst dein Auto, kommst irgendwann wieder. Immer noch leerer Parkplatz, irgendwelche drei bis vier Autos verstreut auf gefühlten 1000000000000 Hektar – äh, nein, nicht ganz. Denn direkt neben dir steht ein Vollarschloch so eng, dass du kaum einsteigen kannst.

Kürzlich in einem – erneut recht leeren – Restaurant…. In zwei, drei Ecken verstreut sitzen Gäste. Dann kommt ein älteres Ehepaar hinein und bekommt vom Kellner einen Platz in der hinteren Ecke des Restaurants zugewiesen, in der noch keiner sitzt. Fünf Minuten später kommen die Leute zurück und sagen, sie wollen nicht alleine sitzen, sie suchen sich lieber einen Tisch in der Nähe von Leuten, die relativ weit vorne saßen.

Ja. Ich weiß. Wissenschaftlich ist das alles erklärbar. Spiegelneuronen und so. Und das unbewußte Bedürfnis, sich mit seinesgleichen zusammenzurotten. Weil man sich da sicherer fühlt. Und der Mensch doch ein Herdentier ist. Relikte aus der Urzeit und so. Genauso wie das Fleischfressen. Irgendwas scheint bei mir falsch gepolt zu sein, denn bei mir ist weder das eine, noch das andere Bedürfnis stark ausgeprägt. Nähe ja, aber dediziert. Es reicht mir das Wissen um irgendwelche Menschen, die im Umkreis von mehreren Quadratkilometern um mich herum leben, die meine Sprache sprechen und die ich im Bedarfsfall kontaktieren könnte. Aber ansonsten muß ich mich niemandem auf den Schoß setzen und brauche schon gar nicht sowas wie …. Nachbarn. Überhaupt.. Nachbarn. Das ist eigentlich schon ein Thema für sich.

In den späten 1980er bis in die 90er Jahre hinein liefen ja diverse Serien, die Nachbarschaftverhältnisse durchaus euphemi- bis idealisierten. Lindenstraße, Tool-Time (von Wilson hat man wenigstens immer nur den Hut gesehen), Melrose Place, allem voran aber dieses schlimmste Format von allen: „Neighbours“. Noch immer kann ich dank meiner Mutter (Hardcore-Neigbours-Watcherin) das schreckliche Titellied zum Teil auswendig. Für immer in meine Gehinwindungen eingebrannt:

„Kommst du nach Haus,

gleich Tür an Tür,

Sind nette Nachbarn da, fast ein Stück von dir…“

Wenn ich nach Hause komme, empfangen mich in den meisten Fällen kreischende Kinder und gröhlende Bauarbeiter. Aber das kann ja prinzipiell auch nett sein. Mit der ausreichenden Menge Diazepam oder Alkohol. Oder am besten beidem gleichzeitig.

„Kommst du nach Haus,

gleich Zaun an Zauuun,

sind assige Nachbarn da

Zeit, ihnen gleich aufs Maul zu hauuun

Komm schlag gleich rein

wart nicht zu lang

so können Nachbarn auch

gute Scapegoats seiiin“.

 

In diesem Sinne: schöne Feiertage!

 

Alptraum-Tage

Frühling, Wärme, Sonnenschein. Traumhaftes Wetter. Gefühlt die halbe Menschheit drängt es nach draußen. Alle sind ja ach so fröhlich und müssen feiern. Und für mich beginnt wieder mein persönlicher Alptraum.

In der Vergangenheit habe ich schon mal einen Blogpost über Hochsensibilität verfasst. Ich selber gehöre zu diesem Personenkreis mit relativ hoher Sensibilität vor allem im akustischen Bereich, gefolgt vom olfaktorischen (Riechen). Die warme Jahreszeit ist daher für mich immer eine Herausforderung. Mal mehr, mal weniger.

Ich weiß, das sich normal Sensible bis – nennen wir sie mal – robuste Menschen so gut wie keine Gedanken über andere machen oder darüber, dass sie durch ihr rücksichtsloses Verhalten andere Menschen beeinträchtigen könnten. An meinen schlechten Tagen, an denen ich mich von dieser Personengruppe in die Ecke gedrängt und in meiner Lebensqualität maßgeblich eingeschränkt fühle, nenne ich sie Fucking Ignorants. Da also von denen gottgegeben erstmal kein Verständnis zu holen ist, liegt es also wieder an MIR, für andere dieses Verständnis aufzubringen: Sooo, guck mal, der liebe Gott hat ja viele Kinder. Manche sind so, andere sind so. Die meisten wollen ja nur ihre Ruhe und Spass (auf Kosten anderer), ist doch cool. Ein bißchen mehr Toleranz für das extrovertierte Verhalten der anderen ist doch nicht zu viel verlangt, oder?? Vielleicht mal draus lernen? Vielleicht auch mal mehr saufen, laut sein, sich assig benehmen? Einfach so. Weil man es kann. Oder weil der Klügere ja immer nachgibt, milde lächelnd daneben stehen und den lieben Menschen ihre Freude gönnen. Und so weiter und so weiter. In meinem HSP Buch steht auch so ein netter Satz: normal empfindende Menschen meinen es ja nicht BÖSE, dass sie so sind. Die machen das ja nicht mit Absicht. Für ein gutes Miteinander ist es daher wichtig, miteinander zu kommunizieren. Aha.

Wenn man nur – wie ich – in der Vergangenheit immer und immer wieder die Erfahrung gemacht hat, dass man kommunizieren kann wie man will (nett, freundlich und mit hoher Informationsdichte) und von den anderen nicht verstanden wird (werden will), kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man sich des Baseballschlägers in der Garage entsinnt und überlegt, vielleicht mal schlagkräftigere Argumente anzubringen.

Nein. Das ist nur in meinem Kopf. Niemals würde ich das tun. Dafür habe ich – manchmal LEIDER! – immer noch viel zu viel Respekt vor allen Lebensformen. Und leider auch viel zu viel Verständnis.

Aber was ist mit meinen Bedürfnissen? Ist es zu viel verlangt, Ruhe haben zu wollen? Ist es zu viel verlangt, dass Menschen sich an die gesetzlichen Ruhezeiten halten? Ist es zu viel verlangt, Leute mal darauf hinzuweisen, dass sie EXTREM laut sprechen und nicht allein auf der Welt sind?

In meinem konkreten Fall kam die Pest inform einer Horde italienischer Bauarbeiter über mich. Die wurden hier in ein abbruchreifes Nachbarhaus einquartiert (vermutlich von ihrem Chef)  und fühlen sich zunehmend heimisch. Und ja, ich nenne bewußt die Nationalität und flüchte mich nicht in dieses Gutmenschen-Sprech im Sinne von „Personen mit Migrationshintergrund“ und so. Die haben nämlich keinen. Das sind Italiener, die hier zum Arbeiten sind und scheinbar sonst keine Freude im Leben haben, außer nach der Arbeit draußen zu sitzen und rumzublöken. Und die wollen hier auch gar nicht dauerhaft immgrieren, denn ich denke, wenn die ihren Job erledigt haben, verpissen die sich wieder in ihre Heimat. Oder auch nicht. Wer weiß das schon?

So. Nun hab doch mal Verständnis. Das sind doch Italiener. Die sind doch so lebhaft. So exaltiert. So lebensfroh. Dafür muß man doch Verständnis haben. Die machen das doch nicht mit Absicht. Die wollen doch nur in Ruhe feiern, saufen, grillen und rumblöken. So lange, wie sie Bock haben. Und bei dem schönen Wetter gerne mal von mittags bis spät in die Nacht.

Und ich? Ich möchte auch gerne draußen sitzen. Und die Ruhe genießen. Die Vögel zwitschern hören und nicht das besofffene Gegröhle. Tja. Pech gehabt. Das Bedürfnis dieser überlauten Nachbarn ist natürlich wichtiger. Wenn es mich stört, kann ich ja woanders hingehen. Genau. Immer weggehen. Immer flüchten. Es ist so unfair. Sich wahlweise dem Gegröhle und Geblöke aussetzen und sich sagen: „och, das stört mich nicht. So nette Leute, die werden von ihrem kapitalistischen Scheff auch nur ausgebeutet. Dann lass sie doch hier mal ihren Ramazotti saufen und fröhlich sein.“ Jupp.

Ich habe keine Lösung, und ich leide jedes Jahr aufs Neue. Immer muß ich ins Haus flüchten oder woanders hingehen (nur um festzustellen, dass man fast nirgends mehr wirklich seine Ruhe hat).

Ruhe definieren die meisten Menschen auf unterschiedliche Weise: die meisten wollen nur ihre Ruhe haben – im Sinne von: sie wollen ungestört (!) tun und lassen, was sie wollen. Und andere Menschen wollen ihre Ruhe haben – im Sinne von möglichst immissionsfreier Zeit durch andere Individuen. Letztgenanntes ist hierzulande echt kaum mehr möglich. Nun steht beispielsweise sogar zur Debatte, den stillen Karfreitag abzuschaffen, weil es offensichtlich so einige Menschen gibt, die sich genau an diesem Tag in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlen. Ich weiß mittlerweile echt nicht mehr, wer den größten Knall hat.

Reaktivierung eines weiteren Themenblogs

Die Überlegungen, meinen „Fauna-und-Flora“-Blog zu reaktivieren, den ich lange Zeit bei Blog.de führte und beim Schließen der Seite mangels Leserinteresse eintütete, konkretisieren sich. Ich merke tatsächlich immer mehr, dass er mir fehlt. Hier und da habe ich schon einige Male thementechnisch auf diesem Blog etwas einfließen lassen, aber ich möchte das gerne wieder mehr bündeln. Eben auch, um einen Platz für die entsprechenden Schwerpunktthemen Botanik und Ornithologie sowie naturnahen Gartenbau zu schaffen.

Ja, ich denke, ich werde das tun und zu gegebener Zeit dann hier mittels Key Note proklamieren 😀

Des Wendlers neues Weib

Es ist mal wieder an der Zeit für einen WTF-Beitrag. Und wer oder was würde sich derzeit besser anbieten, als die aktuellste Peinlichkeit des alternden Schlager“stars“ und seiner Lolita Laura M.?!

Um der partypoopenden „Muß-ja-jeder-selber-wissen-und-kann-ja-jeder-machen-wie-er-will“-Totschlagargument-bring-Fraktion gleich zu Anfang den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ja. Klar. Muß jeder selber wissen. Und kann auch jeder machen wie er will. Ganz ernst und in echt. Ich bin da sehr liberal. Denn ich rede niemandem rein und verbiete auch niemandem etwas. Nix. Gar nix. Auch – oder vor allem – nicht, sich zum Klops zu machen. Das Maul zerreiße ich mir trotzdem. Vor allem bei einer solch offensichtlichen und direkt proportional vermarkteten Verfehlung. Denn auch das kann ja jeder machen wie er mag. Und ich mag bisweilen die Lästerei und mache daraus – im Gegensatz zu manch anderem Hypocrite – keinen Hehl.

Ich glaube an die Liebe. Zwar nicht mehr für mich selbst, aber ganz allgemein. Ich glaube daran, dass es die Liebe in ihrer reinsten und vollkommensten Form durchaus gibt. Und diese dann tatsächlich alle Grenzen sprengen und gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten aushebeln kann. Gekennzeichnet wird diese Art von Liebe mehr durch tief(st)e Verbundenheit, Empathie und Vertrauen denn durch hormonelle Extrementgleisungen. Als Paradebeispiel dieser echten Liebe fallen mir immer wieder Loki und Helmut Schmidt ein. Diese beiden hat ganz sicher nicht nur ihre gemeinsame Nikotinsucht verbunden.

Wenn man jedoch schaut, was der Schlagerstar unseres  eures Vertrauens da seit geraumer Zeit publicitywirksam abzieht (für den Fall, dass der nächste „Song“ doch kein ach so großer Hit wird…), hat meinem gesunden Menschenverstand nach jedoch nichts mit dieser Art von Liebe zu tun. Und ich meine: so grad gar nichts. Nicht mal vielleicht etwas. Gar nix. Niggese. Nada. Niente. Usw.

Es ist einfach nur ein lächerliches, zum Teil schon entwürdigendes Zurschau- und Bloßstellen. Von sich selbst. Von seiner neuen Flamme. Und vor allem von seiner Tochter.

Natürlich. Let’s face it. Diese Laura ist 18 oder sogar „schon“ 19 Jahre alt. Damit ist sie gesetzlich volljährig und kann tun und lassen was sie will. Nur waren wir alle mal 18, und viele von uns können sich noch gut an diese Zeit erinnern. Und auch an den Fakt, dass man zu dieser Zeit noch alles andere als „fertig“ war im Oberstübchen. Streng biologisch betrachtet, befindet sich ein 18jähriger Mensch immer noch in den Ausläufern der Pubertät. Und was die Pubertät mit einem „macht“, können ebenfalls viele von uns gut rekapitulieren und reflektieren 😉

In diesem Alter steht der Mensch tatsächlich erst an der Schwelle zum Erwachsensein. Den Generationen vor uns war das vermutlich noch bewußter, weswegen man damals erst mit 21 volljährig wurde. Nicht unbedingt die schlechteste Entscheidung, wie ich finde. Nur mal so.

Die Frage, die einem bei solchen Verbindungen wie der von „Micha“ (wie er sich selber nennt, wenn er sich gerade mal an seinen Vornamen erinnert) und Laura durch den Kopf geht, ist vermutlich aber eher sowas wie „warum machen die das?“, was steckt hinter diesem Klischee vom alternden Kerl mit der jungen Frau? Was ist da los? Und warum wird es von „der Gesellschaft“ so kritisch gesehen?

Ein Erklärungsversuch:

Diese Naivität gepaart mit bereits vorhandenen „erwachsenen“ Charakterzügen, diese vermeintliche „Unverdorbenheit“, die Jugend (inklusive „unverbrauchter“ Geschlechtsorgane des Mädchens) ist vermutlich das, was ältere Herren an besonders jungen Damen reizt. Zudem sind diese wesentlich schneller zu beeindrucken und im allgemeinen anspruchsloser, weil sie im Regelfall über noch recht wenig Lebenserfahrung verfügen. Sie gehen im Umkehrschluß aber davon aus, dass der ältere Herr über genau diese Lebenserfahrung und Vergleichsmöglichkeiten verfügt, und fühlen sich mega-gebauchpinselt, dass „so ein cooler Typ“ sich für einen interessiert (wo er doch sicher schon ganz andere Frauen hatte und haben kann. Denken diese Mädchen. Wohlgemerkt.). Denn, zugegeben: das Selbstvertrauen und -bewußtsein ist in jungen Jahren auch noch nicht auf ein besonders stabiles Fundament gebettet (bei manchen bildet es sich bedauerlicherweise auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus). Die Projektion ist perfekt, denn das Mädchen fühlt sich in dem Moment auch als was ganz Besonderes.

Dabei ist die Realität ernüchternd und niederschmetternd. Verbindungen von besonders jungen Mädels und Männern in der Lebensmitte (sagen wir mal ab 40 bis Mitte, Ende 50) ist geprägt von einem beidseitigem hormonellen Ausnahmezustand. Strenggenommen sind beide zu diesem Zeitpunkt in der Pubertät, nur beim Mann nennt sich das Midlife Crisis. Ich bin so dreist zu behaupten, dass eine solche Verbindung tatsächlich erst und ausschließlich durch eine solch hormonelle Entgleisung zustande kommen und einige Zeit bestehen kann. Eine solche Verbindung besteht vermutlich aus reiner Projektion. Beide fühlen sich gebauchpinselt, dass sich der jeweils andere für einen interessiert. Das junge Mädel aus zuvor genannten Gründen, der ältere Herr hingegen freut sich, dass er bei solch jungen Dingern noch landen kann, dass er damit noch nicht zum alten Eisen gehört, noch der Coole ist. Das ist der Auftrieb, den der Mann daraus zieht. Und nicht zuletzt fühlt man sich wie sonstwer, wenn man grundsätzlich positives Feedback seiner Partnerin hinsichtlich seiner vermeintlichen sexuellen Skills erhält (klar, woher solls das Mädchen auch besser wissen? Ich fand damals mit meinem ersten Freund auch erstmal alles cool. Bis ich Erfahrungen sammelte und sich das „Coole“ mit Freund Nr. 1 zunehmend verwässerte und relativierte).

Strenggenommen haben solche Verbindungen also einen eher traurigen und ernüchternden Hintergrund, denn es ist eine Verbindung von zwei Personen, die sich beide gerade in einem hormonellen Ausnahmezustand befinden und hoffen, im jeweils anderen Bestätigung und Projektion zu finden. Eine Verbindung zwischen zwei Menschen, die beide alles andere als mental gesettled sind, sich darüber aber – wie immer in solchen Situationen – darüber gar nicht im klaren sind. Es ist wie immer: es sind die Außenstehenden, die Unbeteiligten, die einen anderen Blick auf die Situation haben, aber jene nehmen in diesem Schauspiel für gewöhlich die Rolle der mißgünstigen Spielverderber ein und erfahren wenig Gehör. So war es. So ist es. Und so wird es vermutlich immer sein. Nicht nur bei Micha und Laura.

Solche Verbindungen halten meist selten über die erste Verliebtheitsphase hinaus. Wie soll sich denn da auch Liebe entwickeln? Wo soll diese Liebe herkommen, worauf soll sie basieren? Liebe entsteht durch Gemeinsamkeiten. Durch eine Beziehung auf Augenhöhe. Augenhöhe bezieht sich aber nicht nur auf den respektvollen Umgang miteinander, den man tatsächlich altersunabhängig pflegen kann und auch sollte, nein. Augenhöhe ist mehr. ein ungefähr gleicher Bildungsstand, ein ähnlicher Fundus an Lebenserfahrung, eine ähnliche geistige Reife und vor allen Dingen: ähnliche Wertvorstellungen! Ein junger Mensch sieht die Welt für gewöhnlich mit ganz anderen Augen als ein 40 oder 50jähriger. Und dieser sieht sie nochmal anders als 80 oder 90jährige. Das ist ein ganz normaler Prozess. Die Verbindung zwischen „jung und älter“ (egal ob junge Frau und älterer Mann oder junger Mann und ältere Frau) kann damit natürlich eine Zeitlang bereichernd und im Idealfall auch inspirierend sein, aber höchst unwahrscheinlich wird sie sich im Laufe der Zeit so angleichen, dass eine partnerschaftliche Basis dauerhaft gewährleistet werden kann. Es altern ja beide weiter. Und das junge 18jährige Mädel ist auch mit 25 wahrscheinlich noch unternehmungslustiger als ein Mann, der dann jenseits der 50 ist.

Das Problem der jungen Frauen, Frauen im allgemeinen, aber bei jungen besonders, weil sie eben – wie gesagt – im Regelfall über noch sehr wenig Lebenserfahrung verfügen, ist dieser besonders innig ausgeprägte Bindungswunsch. Sieht man ja bei dieser Laura auch wieder sehr schön: kaum hat man ein paar Mal heftig gevögelt, wird die Oxytocin-Produktion angekurbelt und es wird bereits von Heirat und Kindern gesprochen. Auch hier ist das Fatale, dass durch die vermeintliche Reife, die dem älteren Partner von der jungen Frau zugesprochen wird, der Verbindung ebenfalls eine Tiefe zugesprochen wird, die sie nicht wirklich hat. Ein älterer Mann wird sie nie verarschen, so die Prämisse, denn er ist ja so reif und weiß was er will. Ganz anders als die jungen Kerle in ihrem alter. Deshalb schenkt sie ihm vermutlich ihr ganzes Vertrauen und nimmt ihn beim Wort. Ein fataler Irrtum und Fehler. Denn ER hingegen wird bestenfalls eine Zeitlang mit ihr auf dieser Projektionswelle schwimmen und ihr das Blaue vom Himmel versprechen, dann aber relativ schnell merken, dass ihm das alles zu eng und verbindlich wird. Und spätestens dann wird es kritisch. Solche ersten großen Lieben enden deshalb oft in einer sehr herben Enttäuschung, was die Mädels häufig für ihr Leben prägt und mit auch ein Grund dafür sein dürfte, weswegen eine Frau ihre erste große Liebe nie vergisst. Trotzdem wird sie es beim nächsten Mann nicht wesentlich anders machen. Das ist nun mal so. Biologie. Die Gene. Frauen sind so. Männer sind auch so. Das ist ja auch der Grund, warum es im allgemeinen so viele glückliche Partnerschaften gibt [/ironie]

Eigentlich sollte das hier eine oberflächliche Lästerei werden, nun ist es eine halbe wissenschaftliche Abhandlung geworden. Trocken und wenig amüsant. Aber eigentlich ist es auch gar nicht amüsant. Sondern einfach nur traurig.

Laura M. hat derzeit ihre „famous 15 minutes“, auf die bald der große Jammer folgen wird. Wenn sie Glück hat, kann sie  sich auch in der Post-Wendler-Ära auf ihren aktuellen Z-Promi-Status berufen und vielleicht eine Karriere a la Evelyn Burdecki starten. Aber ich vermute eher, dass die Dame schnell wieder in der Versenkung verschwinden wird, sobald sich die Vorsilbe Ex vor ihren Beziehungsstatus gesellt. Genauso wie ich vermute, dass das PR-Pferdchen Greta Thunberg bald wieder auf die sprichwörtliche Grüne Wiese geschickt wird.

Der einzige, der an dieser Nummer echt in jeder Hinsicht verdient, ist dieser widerliche, infantile Schleimbolzen Michael Wendler. Der größte Verlierer bei dieser ganzen Story dürfte seine Tochter sein. Und egal, was man von dieser Sache zwischen ihm und seiner Laura halten mag, zwischen all der Toleranz, den Lästereien und der ganzen Offensichtlichkeit: es ist zum Kotzen, wie er vor allem seine Tochter für diese Nummer verpflichtet und von diesem Mädel erwartet, dass sie lächelnd dabei steht, wenn ihr Vater eine Gleichaltrige küsst und vögelt. Ich hoffe wirklich, das Mädel hat einen guten Therapeuten, den wird sie spätestens nach dieser Nummer mehr als nötig haben.

 

PS: Jaaa, Micha. Ich weiß. Du/ihr wollt der Welt zeigen, dass bei euch ja alles sooo anders ist. Ihr wollt der Gesellschaft zeigen, dass euch mehr verbindet. Klar. Alles ist so rein und völlig ohne Hintergedanken.

Jaja. Deine Mudder.

Spätestens in einem halben Jahr wissen wir mehr. Ich bin gespannt.

 

 

Entweder man ist wie Ole oder eben nicht. Man kann auch nicht lernen, so zu sein wie Ole. Oder?

Komischer Titel mal wieder. Ich weiß. Geneigte Leser dieses Blogs wissen um die Besonderheit bisweilen recht sperriger Überschriften und bocken sich nicht weiter drum. Die anderen … naja. Do as ye will 😉

Kürzlich dachte ich mal wieder an Ole, der eigentlich anders heißt, aber nannte ich ihn beim Klarnamen, wüßte sicher sofort jeder, von wem die Rede ist (unbedingt…. ;)). Deshalb habe ich mir für ihn aus Datenschutzprivacyetceterapepe ein Synonym ausgedacht.

Wie ich Ole kennengelernt habe, weiß ich schon gar nicht mehr so genau. Ich war damals noch sehr jung. 19, 20 Jahre. Ole war 4 Jahre älter als ich. Bzw. wird er auch heute noch 4 Jahre älter sein als ich. Denke, daran wird sich nichts geändert haben. Ole war schon immer ein besonderer Mensch und nein, „besonders“ heißt in diesem Fall nicht „behindert“.

Ein stiller Paradiesvogel, denn er war nie besonders laut oder drängte sich in den Vordergrund. Und trotzdem hatte und hat er immer viel zu sagen. Fing er einmal an, laberter er dir das Ohr blutig. Und danach das andere.  Er laberte und laberte. Und laberte. Und laberte. Und………. Er laberte Intelligentes. Kurzweiliges. Irres. Wirres. Phantastisches. Freundliches. Leicht Böses. Lustiges. Trauriges. Bisweilen schon einen Tacken zu egozentrisch, aber immer sym- und bei den Menschen, für die er sich interessierte, auch empathisch. Ausgestattet mit einem Selbstbewußtsein, das ich in Anbetracht der heutigen und damaligen Zeit als gesund und ausgewogen bezeichnen würde. Wie gesagt, bisweilen einen Tacken zu egozentrisch, aber niemals arschig oder gar narzissistisch.

Ein „das geht nicht“ ließ Ole niemals gelten. Zweifel wischte er stets mit einem lakonischen „Egaal“ aus der Welt. Diese Art es zu sagen habe ich schon damals in meinen aktiven Sprachschatz übernommen. Egaaaal. Mehr nicht. Und dann überlegte er und hatte kurz darauf immer eine Idee. Immer gut hingegen war die nicht wirklich 😉 . Aber auch diese Zweifel wurden mit einem kurzen Egaaal aus der Welt geschafft. Und dann nahm er dich mit  bzw. auf einen Trip und zeigte dir die Welt, wie er sie sah. Und das ganz ohne bewußtseinserweiternde Substanzen. Unglaublich, Bob!

Richtig zusammengefunden haben Ole und ich jedoch nie. Ich weiß nicht, ob hier ein „leider“ angebracht wäre – oder eher doch nicht. Vielleicht war es genau so gut, wie es war. Aus verschiedenen Gründen sollte es damals eben nicht sein. Ich hatte kein Vertrauen in diese Verbindung. Hatte Angst vor diesem unbekannten Gefühl der Freiheit. So viele Jahre war ich gefangen in Reglementierungen. Regeln. Verboten. Verzicht. Ich hatte Angst und ging nicht mit. Wäre ich mit Ole gegangen, wäre vielleicht vieles anders gelaufen in meinem Leben (nicht nur vielleicht, ganz sicher sogar, denn ich hätte damit ja einen anderen Weg eingeschlagen als der, den ich dann letztlich gegangen bin. Blieb bei Altbewährtem, so Scheiße es rückblickend auch war. )

Nachdem ich mich entschieden hatte, die eingetrampelten Pfade aus Scheiße weiter zu beschreiten, brach unser Kontakt alsbald wieder ab. Ole zog weiter und wir verloren uns aus den Augen. Vor einigen Jahren dann hatten wir kurzzeitig mal wieder Kontakt. Und obgleich er so besonders, so anders, so ganz speziell war und immer noch ist, hat er letztlich doch die gleichen Lebensstationen absolviert wie Otto Normalbürger: Ehe, Karriere, Trennung, Scheidung. Was geblieben ist, ist jedoch Oles einzigartige Art, sich immer und immer wieder neu zu erfinden. Den einen Tag der Rockabilly, den nächsten Tag der Skater im Retro-Look. Das eine Jahr sammelt er alte Autos, nur, um kurze Zeit später zu verkünden, er restauriere jetzt Landmaschinen. Der Abenteuerurlaub. Die ständig wechselnden Musikrichtungen seiner Bands, in denen er im Laufe der Zeit spielte. Und alles mit einer Leidenschaft, als ob er nie etwas anderes davor oder danach täte. Dieses Herzblut und dieses Urvertrauen, trotz aller Tiefschläge, die er in seinem Leben auch schon hinlegen mußte. So  wie du und ich. Und der da dort drüben. Und von der daneben mal ganz zu schweigen. Dies machte und macht ihn in meinen Augen so bemerkenswert.

Unser Kontakt ist nach der kurzen Zeit vor einigen Jahren wieder abgebrochen. Aber das ist ok. Wir leben eben tatsächlich sehr unterschiedliche Leben. Dennoch denke ich immer noch hin und wieder darüber nach, ob bzw. dass sein Lebensstil tendenziell auch meiner hätte sein können, wenn ich mich damals darauf eingelassen hätte. Ich war ja noch nicht immer so mißtrauisch und zurückhaltend gegenüber anderen Menschen. Aber natürlich sind das alles nur Gedankenspiele. Konjunktive sind so ne Sache für sich….

Ole ist mittlerweile Ende 40 und vermutlich bis zum letzten Atemzug voller Enthusiasmus auf den Wellen des Lebens surfen. Es ist einfach seine Art. Und entweder ist man so, oder man ist nicht so. Ich denke, Urvertrauen und Resilienz haben sehr viel miteinander zu tun. Es gibt Menschen, deren Urvertrauen schon in jungen Jahren zerstört wurde und die für den Rest ihres Lebens damit zu kämpfen haben, diese absolute (Über-)Lebensbasis eines jeden Menschen wieder aufzubauen. Und dann gibt es diese Menschen, die das Glück hatten, in einem liebe- und respektvollen Elternhaus aufzuwachsen. Und daraus werden dann solch bemerkenswerten Menschen wie Ole.

Danke für die tollen Ausflüge, die wir unternommen haben. Danke dafür, dass du mir deine Welt gezeigt hast. Danke für diese äußerst schrägen Filme, die wir angeschaut haben und der eine Sketch von dem anderen da ist heute noch in meinem Kopf. Keine Ahnung, wo du den her hattest, ich hab das Internet vor und zurück gesucht danach. Aber dazu gibt es kein Bildmaterial. Aber in meinem Kopf ist es gut aufgehoben. Und ich lach heute noch manchmal drüber. Danke für die Musik, danke für die Konzerte. Deine und die, die wir besuchten. Und ja, danke auch für die blutigen Ohren 😀

Danke für alles. Schön, dass es Menschen wie dich gibt.Und bitte bleib wie du bist. Immer.